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Malteser Nikolausaktion

Rund um den Nikolaus

Was wissen wir eigentlich über den heiligen Bischof Nikolaus von Myra?

Kurz gesagt: Nicht viel! Denn wie bei vielen Heiligen der ersten Jahrhunderte ist das überlieferte Wissen über das Leben des Nikolaus (eigentlich Nikolaos) von Myra sehr begrenzt und zeigt fließende Übergänge zu den Heiligenlegenden des Mittelalters. Auch kommen häufig Vermischungen oder Verwechselungen mit Abt Nikolaus vom Kloster von Sion in der Nähe Myras vor. Hier ist jedoch interessant, dass zu erkennen ist, dass Bischof Nikolaus schon zu diesem Zeitpunkt (5. Jahrhundert) als Heiliger verehrt und der Abt auf seinen Namen getauft wurde.

Die erste schriftliche Überlieferung des Lebens des Heiligen entstanden 565 n. Chr. Weitere folgen ab dem 9. Jahrhundert mit der „Vita per Michaelem“, der kaum verbreiteten „Vita Compilata“ und der „Vita per Meaphrasten“ (einer Neubearbeitung der „Vita per Michaelem“). Der bekannteste Text über den Heiligen ist jedoch die „legenda aurea“, die große Legendensammlung des Mittelalters, in der sich auch viele der bekannten Erzählungen über Nikolaus finden. Um Ihnen aber einen Eindruck der historischen Persönlichkeit Nikolaus von Myra zu geben, sind hier einige historisch vermutete Fakten zusammengestellt:

Nikolaus wurde in Patara (bei Kalkan in der Nähe von Antalya) geboren. Als Geburtsjahr wird das Jahr 280 n.Chr. bzw. 286 n.Chr. vermutet, da er die Regierungszeiten der Kaiser Diokletian (284-305 n.Chr.), Maximinian (286-305 n. Chr.) und Konstantin dem Großen (306-337 n. Chr.) erlebt haben soll. Später studierte er in Xanthos. Mit ungefähr 19 Jahren wurde er vom  damaligen Bischof von Myra (heute Demre) zum Priester geweiht. Als Nikolaus Eltern sterben, verteilt er das Erbe unter den Armen. Auch soll er eine Pilgerreise ins Heilige Land unternommen haben.  Kurz nach seiner Rückkehr wird Nikolaus aufgrund einer Vision eines Bischofs von der Bischofssynode der Provinz Lykien zum Bischof von Myra gewählt.

In seinem neuen Amt als Bischof wird Nikolaus nun mehr mit dem in der Gegend sehr verbreiteten Glauben an die heidnischen Gottheiten  Apollo und Artemis (lat. Diana) konfrontiert.  Apollo, der Sohn von Zeus und Leto, stand wesentlich höher in der Gunst des Volkes als der christliche Glaube, da es in den Legenden hieß, dass Apoll die Sommermonate auf Delos und den Winter in Patara verbrachte. Artemis hingegen wurde von den Seefahrern als ihre Schutzgöttin verehrt und Myra als eine der größeren Hafenstätte verfügte über einen ihrer bedeutendsten Tempel in Lykien. Da Nikolaus sich dennoch für die Verbreitung des christlichen Glaubens einsetzte und auf Grund seiner Wohltätigkeit gedeiht das Christentum in der Region.

303 n.Chr. wird allerdings auch Nikolaus Opfer der letzten Christenverfolgungen (unter Diokletian), wird gefoltert und kommt erst 306 n. Chr. mit dem Regierungsantritt Konstantins wieder frei.

325 n.Chr. nimmt Nikolaus am 1. Konzil von Nicäa teil. Der wichtigste Konzilsbeschluss ist das Dogma der Trinitätslehre. Nikolaus soll hier hart gegen die Irrlehren des Arius vorgegangen sein. Die Legende erzählt sogar, dass Nikolaus Arius in einer Beratung geohrfeigt hätte. Allerdings ist auch überliefert, dass Nikolaus vermittelnd eingegriffen hat und seinen Freund Theognis, den Bischof von Nicäa, der dem Arianismus zugeneigt war, überzeugt hätte das Bekenntnis von Nicäa zu unterzeichnen. Anhänger anderer Lehren, wie Arius, werden verbannt.

Am 6. Dezember 342 n.Chr. oder 347 n. Chr. Entschläft Bischof Nikolaus friedlich und wird außerhalb der Stadt Myra im „Martyrion“ beigesetzt. Über seinem Grab wird kurz darauf eine Grabeskapelle und später die Nikolauskirche errichtet. Nikolaus von Myra ist der erste Heilige der kein Märtyrer ist, sondern aufgrund seines vorbildlichen Lebens verehrt wird.